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1. Obergeschoss - Raum 9


Patrizierzimmer

Patrizierzimmer-1-1

Mobiliar des 18. Jahrhunderts

Dieser Raum vermittelt eine Anmutung der Wohnkultur Überlinger Patrizier im 17. und 18. Jahrhundert. Neben einem Tabernakelsekretär des 18. Jahrhunderts sind ein barocker Kabinettschrank mit Intarsien und ein Betschemel ausgestellt. Dieser diente sowohl als Schränkchen wie als Kniebank.

Kachelöfen, die es seit dem Mittelalter gibt, waren im 17. und 18. Jahrhundert die bevorzugte Heizung. Sie gewährleisteten andauernde Wärme und konnten – wie der Ofen dieses Raums – in einem Nebenzimmer versorgt werden. Der mit ländlichen Motiven bemalte Kachelofen wurde im schweizerischen Steckborn hergestellt. Steckborner Öfen waren wegen ihrer Qualität und Schönheit in der ganzen Bodenseeregion gefragt.

Die Porträts zeigen Mitglieder einiger Überlinger Patrizierfamilien. Die „Geschlechter“ spielten gesellschaftlich, wirtschaftlich und politisch bis zum Ende der reichsstädtischen Zeit neben den Zünften eine wichtige Rolle. Patrizier gehörten seit etwa 1300 dem Kleinen Rat, dem wichtigsten politischen Gremium der Stadt, und ab etwa 1450 auch dem Großen Rat an. Angehörigen der Geschlechter, welche die 1423 erstmals erwähnte „Gesellschaft der Löwen“, später „Löwenzunft“ bildeten, war das Amt des Bürgermeisters vorbehalten.

Spinetdeckel-1

Aus dem Überlinger Patriziat stammten politisch und geistesgeschichtlich bekannte Personen: Ein Doppelporträt zeigt das Ehepaar Dr. Johannes Matthias Waibel und seine Frau Maria Eschlinsberger. Von der Kultur und humanistischen Bildung Waibels, der 1672 einen Aristoteles- und Dun Scotus-Kommentar veröffentlichte, zeugt der 1631 datierte Deckel eines Spinetts: Die Darstellung zeigt den Besuch Minervas bei der Quelle Helikon und den musizierenden Musen. Die Inschriften, die den Wappen Waibels und seiner Frau zugeordnet sind, besagen, dass er durch Tugend gerüstet, sie durch diese geschmückt sei.