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Historiker referiert über Alltag im Ersten Weltkrieg


Der österreichische Militärhistoriker Georg Reichlin von Meldegg hat im Städtischen Museum in Überlingen über den Kriegsalltag im Ersten Weltkrieg referiert.

Im zweiten Vortrag des Begleitprogramms zur aktuellen Ausstellung im Städtischen Museum Überlingen „1914-1918, auf beiden Seiten“ hat der österreichische Militärhistoriker Georg Reichlin von Meldegg im Museumssaal über den Kriegsalltag der Bevölkerung während des Ersten Weltkriegs referiert. Er steht in direkter Ahnenreihe mit dem Medicus Andreas Reichlin von Meldegg, der 1449-62 das Gebäude des heutigen Überlinger Museums als Patrizierhaus im Renaissancestil erbaut hatte. Museumskustos Peter Graubach pflegt seit Jahren freundschaftlichen Kontakt mit Georg Reichlin von Meldegg und regte schließlich den Vortrag mit an.

Georg Reichlin von Meldegg vor einem Foto in der aktuellen Ausstellung im Städtischen Museum. | Bild: Erwin Niederer

Georg Reichlin von Meldegg vor einem Foto in der aktuellen Ausstellung im Städtischen Museum. | Bild: Erwin Niederer – Südkurier

Die Ausstellung im Überlinger Museum legt ihren Schwerpunkt auf Einzelschicksale von Soldaten, die Präsentation von originalen Utensilien aus dem Krieg, wie Waffen, Feldpostkarten und Fotos, und die Darstellung der Situation der Bevölkerung im jeweiligen Heimatland. Georg Reichlin von Meldegg schilderte in erster Linie den Kriegsalltag aus der Perspektive der österreichischen Bevölkerung, was aber ohne Abstriche übertragbar ist auf die Verhältnisse im Deutschen Reich, wie er betonte. Die Monarchie unter Kaiser Franz Joseph und das Deutsche Reich waren Verbündete. Während Deutschland gegen Frankreich, England und dann auch gegen die Vereinigten Staaten kämpfte, stand Österreich im Osten gegen Serbien und Russland in nicht minder grausamen Kämpfen. Die Hospitalressourcen im Hinterland für die unzähligen Verletzten waren knapp. Es mangelte an Verbandsmaterial, Medikamenten, Ärzten und Krankenschwestern. Niemand hatte mit so verlustreichen und über Jahre anhaltenden Kämpfen gerechnet. Nicht nur schwerste körperliche Verletzungen mussten behandelt werden, auch psychische Traumata. Tausende Kriegsgefangene mussten in provisorischen Lagern untergebracht werden, Seuchen breiteten sich aus.

Der Krieg verschlang Unmengen Ressourcen und kostete Milliarden, die auch über Kriegsanleihen aufgebracht wurden. Unzählige Frauen arbeiteten in Munitionsfabriken, in der Landwirtschaft und der Schwerindustrie. Die englische Seeblockade stoppte zusätzlich die Rohstoffzufuhr. Lebensmittel wurden knapp. Das Volk hungerte, der Geldwert verfiel zusehends, Not und Armut breiteten sich aus. Große Flüchtlingsströme aus den umkämpften Gebieten drängten in völlig überfüllte Lager. Schließlich brachte auch das Kriegende 1918 keine wirkliche Erleichterung und Beruhigung der Lage. Die bekannten „Unfriedensverträge“, die den unterlegenen, ausgezehrten Ländern aufgezwungen wurden, schafften in den folgenden Jahren schließlich den Nährboden für radikale politische Strömungen, die mit dem Nationalsozialismus und dem zweiten Weltkrieg ihren grausamen Höhepunkt finden sollten.

Vielen Dank dem Südkurier Überlingen für die Bereitstellung der Texte und Bilder
http://www.suedkurier.de


geschrieben am: 23.04.2016 von: Adminstrator in Kategorie(n): Ausstellungen, Presseberichte