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Ausstellung über Kriegserfahrungen 1914-1918 zeigt beide Seiten der Front


Die Ausstellung im Städtischen Museum Überlingen ist ergreifend. Sie ist damit ein wichtiger Beitrag gegen das Vergessen.

100 Jahre ist es her, als auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs auch Millionen deutsche und französische Soldaten einen gewaltsamen Tod fanden. Die aktuelle, große Sonderausstellung im Überlinger Museum stellt sich vorbehaltlos der Frage nach der Sinnhaftigkeit von Kriegen überhaupt. Bei der Vernissage bedankte sich Oberbürgermeisterin Sabine Becker in ihrem Grußwort bei allen an der Organisation der Ausstellung Beteiligten und warf die Frage auf, warum die Welt immer noch überzogen wird mit Kriegen, Gewalt und Terror. Es ist aber das große Verdienst dieser Ausstellung, Erinnerungen wachzuhalten in der Hoffnung, dass wir daraus lernen.

Dieser von Kustos Peter Graubach nachempfundene Schützengraben ist Teil der aktuellen Ausstellung im Städtischen Museum Überlingen, die am Donnerstag eröffnet wurde. | Bild: Erwin Niederer – Südkurier

Dieser von Kustos Peter Graubach nachempfundene Schützengraben ist Teil der aktuellen Ausstellung im Städtischen Museum Überlingen, die am Donnerstag eröffnet wurde. | Bild: Erwin Niederer – Südkurier

Landrat Lothar Wölfle wies darauf hin, dass die Ausstellung, zuvor schon in Kressbronn gezeigt, hier wesentlich erweitert wurde durch die Einbeziehung individueller Überlinger Schicksale und den Aufbau eines nachempfundenen Schützengrabens mit originalen Waffen und Utensilien durch Museumsleiter Peter Graubach. Durch die Zusammenarbeit mit dem Archives Départemantales d’Indreet-Loire in Tours und dem Maison du Souvenir in Maillé berücksichtigt die Ausstellung immer beide Kriegsparteien. Nöte und Sorgen der Soldaten und Angehörigen sind austauschbar, Gewalt und Tod trifft alle gleichermaßen. Dass sich die Länder Europas nun zusammengefunden haben, um ein friedliches, freundschaftliches Miteinander zu pflegen, zwar nicht konfliktfrei, aber zumindest ohne Vernichtungskriege, lässt die Hoffnung zu, dass wir Menschen doch aus der Geschichte lernen können, so Lothar Wölfle. Sébastien Cheverau vom Archives Départemantales d’Indreet-Loire in Tours bedankte sich für die Zusammenarbeit und zeigte sich hocherfreut über das Gesamtkonzept der Ausstellung. Kreiskulturamtsleiter Stefan Feucht skizzierte den Aufbau der Ausstellung, die in zwei Bereiche aufgeteilt ist: Heimat und Front. In Texttafeln, illustriert mit Bildmaterial und Briefen, wird das Schicksal von 3 deutschen und 4 französischen Soldaten explizit aufgeführt. 300 Originalobjekte aus Privatsammlungen, dem Stadt- und Kreisarchiv, machen die Ausstellung zu einem teilweise bedrückenden Erlebnisraum.

Schauspielerin Barbara Stoll aus Überlingen las Auszüge aus dem „Seeboten“, dem Vorläufer des heutigen SÜDKURIER, aus dem Jahre 1914: Kriegsnachrichten, Propaganda, Einzelschicksale. Musikalisch begleitet wurde die Vernissage durch Alain Wozniak und Andreij Sulimov mit Stücken von Igor Strawinsky, Poulenc und Fromm-Michaels für Klarinette.

Die Ausstellung

Die Ausstellung im Städtischen Museum Überlingen läuft bis zum 17. Dezember.
Zur Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Führungen, Vorträgen und Lesungen. Auch erscheint ein zweisprachiger Ausstellungskatalog.

Vielen Dank dem Südkurier Überlingen für die Bereitstellung der Texte und Bilder
http://www.suedkurier.de


geschrieben am: 26.03.2016 von: Adminstrator in Kategorie(n): Ausstellungen, Presseberichte