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„Otto von Europa“, Lichtbildervortrag von Mag. Georg Reichlin von Meldegg


Am 24. Mai 2018, 19:00 Uhr findet ein Vortrag (mit Lichtbildern) von Mag. Georg Reichlin von Meldegg,  Historiker u. Buchautor aus Wien, über Leben und Wirken eines großen und engagierten Europäers mit Weitblick: Dr. Otto von Habsburg-Lothringen statt. Ein Rückblick zur Deutung der Gegenwart.

Viele Talente der Großen unter den Habsburgern konnte man in Otto von Habsburg wiedererkennen: die Gottergebenheit von Kaiser Karl V., den nachhaltigen Arbeitseifer und das Pflichtbewusstsein von Kaiser Franz Joseph, die Zuneigung zu den verschiedenen Völkern und Volksgruppen Europas, die seinen 2004 seliggesprochenen Vater, Kaiser Karl I., auszeichnete. Eine weitere Parallele schenkte ihm ein gnädiger Gott: Wie sein Vorfahre Kaiser Friedrich III. besiegte er seine Widersacher, indem er sie überlebte.
Hitler, Horthy und Honecker, Beneš sowie Brandt, hassten den Habsburger wohl aus ganzem Herzen. Von roten und braunen Ideologen verfolgt und verleumdet, war Otto von Habsburgs Leben geprägt von einer unverrückbaren Erkenntnis: Er hatte von seinem Vater weder Reich noch Krone, weder Herrschaft noch Thron geerbt, wohl aber das Bewusstsein, eine nicht delegierbare Verantwortung zu tragen.

Erst 1978 nahm er, Nachfahre deutscher Könige und Kaiser, die deutsche Staatsbürgerschaft an, um für das erste direkt gewählte Europäische Parlament zu kandidieren. Er, der in jungen Jahren zum Opfer der Weltpolitik geworden war, begann nach einer Karriere als Kolumnist und Sachbuchautor mit 66 Jahren seine parlamentarische Arbeit.
In Straßburg und Brüssel war er bayerischer Abgeordneter unter dem nicht unumstrittenen, langjährigen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß. Aber auch der erste Vertreter Österreichs, Ungarns, Kroatiens, Bosnien-Herzegowinas, – ja aller Völker, denen die eiserne Faust des Kommunismus das Mitwirken am Projekt Europa verwehrte. Selbst ideologischen Gegnern nötigten sein Fleiß und seine vielfältige Kompetenz Respekt ab.

Mit den Jahren seiner parlamentarischer Arbeit wuchs die Breite der Anerkennung, denn seine Vision begann sich 1989 zu erfüllen:  Otto von Habsburg war Mitinitiator und Schirmherr des „Paneuropäischen Picknicks“ am 19. Aug. 1989, als DDR-Bürger über die offenen Grenzen Ungarns strömten. Nach dem Fall des „Eisernen Vorhangs“ 1989/90 wurde sein persönlicher Beitrag wiederholt in den Medien gewürdigt.

Seine Conclusio hatte er in 34 zumeist zukunftsweisende Bücher verpackt: „Wer nicht weiß, woher er kommt, der weiß auch nicht, wohin er geht, weil er nicht weiß, wo er steht“. Der Vielsprachige und Weitgereiste, wusste aus der erlebten und erlittenen (Lebens-)Geschichte, dass das Gift des Nationalismus das Reich seiner Väter und Europa beinahe völlig zerstört hatte.

Eintritt frei.

geschrieben am: 24.05.2018 von: Museum Überlingen in Kategorie(n): Allgemein, Vorträge