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1. Obergeschoss - Raum 17


Bauernschlafstube

Bauernschlafstube-1

Mobiliar und Bilder stammen aus dem späten 18. und frühen 19. Jh.

Volkskunst

Den als Bauernschlafstube eingerichteten Raum beherrschen ein schwerer, mit Rosen bemalter Bauernschrank und ein Himmelbett, das ebenfalls mit Ornamenten geschmückt ist.

Das Himmelbett des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts veranschaulicht die Schlafsituation in bäuerlichen Haushalten jener Zeit: Oft nächtigten nur die Hauseltern in einem solchen Bett, während die übrigen Familienmitglieder und die Dienstboten auf der Ofenbank oder gar im Stall weitaus weniger komfortabel schliefen. Himmelbetten hatten mehrere Vorzüge: Zum einen schützen ihre Baldachine aus Stoff oder Holz vor herabfallendem Schmutz, zum anderen boten die seitlichen Vorhänge Schutz vor Kälte und gaben Privatsphäre.

Mit seinen Holzknöpfen an den Seitenwänden zeigt das Kinderbett eine Besonderheit solcher Möbel: An ihnen band man die Säuglinge oder Kleinkinder an, stellte sie dadurch ruhig und sicherte sie vor dem Herausfallen. So konnten die Mütter ihrer täglichen Arbeit nachgehen.

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein war es Brauch, Arme und Beine der Säuglinge so eng an den Körper zu binden, dass sie sich kaum bewegen konnten. Die Bandagierung sollte ein gerades Wachstum der Gliedmaßen gewährleisten. An dem ausgestellten „Fatschenkind“ lässt sich diese Art des Wickelns sehen.

Weitere, kulturgeschichtlich interessante Exponate sind drei „Haarbilder“. Sie kamen gegen 1800 mit dem romantischen Erinnerungs- und Freundschaftskult in Mode und wurden zum Andenken an verstorbene Angehörige und Freunde oder zur Erinnerung an besondere Anlässe wie Hochzeiten und Jubiläen aus menschlichem Haar hergestellt. Echthaarbilder waren ein gängiger Wandschmuck in bürgerlichen und später auch in bäuerlichen Haushalten.