. .

Schulklassen sind beeindruckt von Weltkriegsausstellung


Neuntklässler der Realschule besuchen die Ausstellung „1914-1918. Von beiden Seiten“. Sie sind fasziniert von den Ausstellungsstücken und den Erinnerungsstücken im Städtischen Museum.

Die Klasse 9b der Realschule während der Führung durch Thomas Hirthe

Die Klasse 9b der Realschule während der Führung durch Thomas Hirthe

Für unsere Jugend ist Krieg glücklicherweise etwas, das sie nur aus Geschichtsbüchern kennen oder aus den Nachrichten, aber auf jeden Fall weit entfernt. Krieg ist höchstens noch als Computerspiel präsent, ein imaginäres Geschehen, das nicht auf die Realität bezogen wird, digitales Töten mit meist mehreren „Leben“, einstellbare Schwierigkeitsgrade, Neustart eingeschlossen.

Sichtlich berührt, mit ernsten Gesichtern und nachdenklich verließen die Schülerinnen und Schüler der 9b der hiesigen Realschule das Städtische Museum Überlingen nach dem Besuch der aktuellen Ausstellung über den Ersten Weltkrieg. In den Lehrplänen ist der 1. und 2. Weltkrieg als zentrales Unterrichtsthema fest verankert. Niemals soll vergessen werden, was an Schrecklichem geschehen war. Durch geschultes Personal der Kulturagentur Hirthe/Engel aus Überlingen werden die Schulklassen geführt. Die Nachfrage von den Schulen ist groß, sagt Thomas Hirthe, Geschäftsführer und selbst engagierter Ausstellungsführer. Das ist die ideale Ergänzung zum Unterricht in der Schule, betont Melanie Lichtwark, Geschichtslehrerin an der Realschule. Die Jugendlichen werden konkret mit originalen Utensilien aus dem Krieg konfrontiert: Feldpost, skurrile Objekte (Granate aus Marzipan, Geldsammelbüchse in Kanonenkugelform), Fotografien von Soldaten in Uniform, von Gefallenen und Schwerverletzten, Originalwaffen, ein nachempfundener Schützengraben.

Mit berührenden Zitaten aus Briefen der Soldaten, Erklärungen der Waffen und Schilderungen der Realsituation an der Front verstand es Thomas Hirthe, die Jugendlichen zu fesseln, ins Geschehen hineinzuziehen. Die Ausstellung betont vor allem Einzelschicksale von Soldaten. Dabei werden immer beide Seiten berücksichtigt, Deutsche wie Franzosen. Wilhelm Müller etwa schrieb seiner Mutter gar 600 Briefe und Feldpostkarten, schildert darin eindrücklich die Schrecken der Grabenkämpfe, Granateneinschläge und des Giftgases. Und die Mutter schreibt zurück: „Und wir sind stolz auf dich!“ Der Soldat Klaus Taschbach schreibt von der Front einem Mädchen aus Überlingen Liebesbriefe, das er persönlich gar nicht kannte, sie schickt ihm kleine Päckchen. Seine Spur verliert sich irgendwo in den Schützengräben der Westfront.

Die Kriegsbegeisterung am Anfang des Krieges wich schnell blankem Entsetzen. Die Opferzahlen waren horrend und wer überlebte, trug meist entsetzliche Verletzungen davon. 10 Millionen gefallene Soldaten, 20 Millionen Verwundete, Zahlen, die bei den Schülern nur ungläubiges Kopfschütteln auslöste. Besonders betroffen waren die Schüler vor einem Gedenkfenster aus buntem Glas, ehemals angebracht in der damaligen Seuse-Oberrealschule. 26 Schüler, gerade mal 16 Jahre alt, zwei Lehrer und mit ihnen 2000 Kameraden wurden am 17. November 1914 bei der Erstürmung eines von Franzosen besetzten Hügels durch Maschinengewehrfeuer getötet.

Kaum glauben konnten die Schüler die Portionsgrößen an Butter und Fleisch, die damals für die Bevölkerung auf Lebensmittelmarken ausgegeben wurden: 5 Gramm Butter und ein Bissen Fleisch pro Person. „Nur aus dem Geschichtsbuch heraus hat mich vieles nicht wirklich berührt“, sagt eine Schülerin, „aber wenn man das alles echt und wirklich sieht, die Waffen, die Briefe, die Gesichter auf den Fotos, Tote und Verletzte, dann weiß ich mein Leben hier in Frieden und Freiheit erst richtig zu schätzen.“

Die Ausstellung

Die Ausstellung „1914-1918, von beiden Seiten“ im Städtischen Museum Überlingen ist noch bis zum 17. Dezember zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Samstag von 9 bis 12.30 Uhr und von 14 bis 17 Uhr, sonntags und feiertags von 10 bis 15 Uhr. Führungen für Schulklassen sind möglich nach Anmeldung bei der Kulturagentur Hirthe/Engel Überlingen, Telefon 07551/937185. (eni)

Vielen Dank dem Südkurier Überlingen für die Bereitstellung der Texte und Bilder
http://www.suedkurier.de


geschrieben am: 06.05.2016 von: Adminstrator in Kategorie(n): Ausstellungen, Presseberichte